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Interview vom 02.08.04 von kicker.de:

kicker: Herr Löw, Jürgen Klinsmann nannte Sie seinen Wunschkandidaten für den Job des Cotrainers. Was haben Sie, was Holger Osieck nicht hat?

Joachim Löw: Ich hatte in den Gesprächen mit Jürgen immer das Gefühl, dass ich ihm wichtig sei für sein Team. Er wusste, welchen Stab er zusammenstellen wollte. Er vermittelte den Eindruck, ich sei seine Nummer eins für diese Position.

kicker: Welche Kriterien sind bedeutend dafür?

Löw: Unsere Philosophie, dass es in eine Richtung geht, muss übereinstimmen. Zudem mussten wir gewisse Abläufe generell absprechen. Mit Oliver Bierhoff werden wir die Aufgaben noch verteilen.

kicker: Wie sieht Ihr Part aus?

Löw: Ich sehe mich als wichtigen Bestandteil im Team, in das ich meine Fähigkeiten einbringe.

kicker: Wie schwer fällt der Schritt vom Chef- zum Cotrainer?

Löw: Ich kenne diese Rolle, ich hatte sie in meinem ersten Jahr beim VfB Stuttgart unter Rolf Fringer. Ich kann mich damit absolut identifizieren, es handelt sich doch hier um ein Riesenprojekt. Ich weiß, wie man da zu arbeiten hat.

kicker: Was ist dafür wesentlich?

Löw: Die absolute Loyalität. Und ich muss mein Wissen einbringen.

kicker: Ist dies umso wichtiger, als dem Trainer Jürgen Klinsmann noch die Erfahrung fehlt?

Löw: Jürgen hat sogar eine immense Erfahrung. Er hat alle großen Turniere gespielt und im Trainerkurs, den wir gemeinsam machten, alle Fragen hervorragend bewältigt. Er bringt alle Voraussetzungen mit.

kicker: Welche?

Löw: Großen Elan oder die Ansprache an die Spieler: Er kann bestens vermitteln. Jürgen ist prädestiniert für den Job des Trainers. Mir hat bei unserem gemeinsamen Trainerkurs imponiert, wie er in Theorie und Praxis gearbeitet hat; sehr gut. Er ist absolut der richtige Mann als Bundestrainer.

kicker: Als Anforderungsprofil für den Mann an seiner Seite nannte er Risikobereitschaft, Offenheit. Bringen Sie diese Charakteristika mit?

Löw: Meine Philosophie wurde bei meinen Stationen deutlich: Ich stehe für offensiven, aggressiven Fußball mit einer gewissen Spielkultur. Dazu gehört Risiko.

kicker: Fühlen Sie sich, wie Klinsmann von seinem Partner verlangt, in der Bundesliga akzeptiert?

Löw: Ich habe die Bundesliga nie aus den Augen verloren und bin auf dem aktuellsten Stand. Dennoch ist eine ganz wichtige Aufgabe: Wir müssen den Kontakt zu den Klubs intensivieren, die Vereinstrainer sind für uns sehr wichtig, mit ihnen brauchen wir den permanenten Gedankenaustausch.

kicker: Wie weit reichen Ihre Kompetenzen?

Löw: Jürgen hat mir gesagt, was er von mir erwartet, und mir meinen Aufgabenbereich genannt.

kicker: Braucht die Nationalelf einen Schnelligkeitstrainer und Psychologen?

Löw: Sie muss sich verbessern. Wir wollen, dass in jedem Bereich absolut professionell gearbeitet wird, damit die Ziele erreicht werden.

kicker: Haben Sie gezuckt, als Klinsmann den Gewinn des WM-Titels 2006 als Ziel nannte?

Löw: Nein, ich hätte gezuckt, wenn er gesagt hätte, Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen.

kicker: Ist nun die Gefahr zu scheitern nicht viel größer?

Löw: Wir gehen mit Optimismus an die Sache, mit viel Selbstvertrauen.

kicker: Ist es ein Problem, dass bis zur WM lediglich Freundschaftsspiele auf dem Programm stehen?

Löw: Wir wollen nicht immer über Probleme reden. Es ist ein Vorteil, dass die WM in Deutschland stattfindet. Hinzu kommt: Die Spieler sind das ganze Jahr über im Dreitagerhythmus aktiv; deshalb ist es ganz gut, bei einer Asien-Reise oder gegen Brasilien ohne diesen immensen Druck viel zu lernen.

kicker: Ist es für Sie ein großer Schritt vom Klub- zum Nationaltrainer?

Löw: Nein, die Prinzipien im Fußball sind gleich, auch wenn es etwas anderes ist. Jede Woche Spiele gibt es nun nicht mehr für mich. Dennoch handelt es sich um eine tägliche Arbeit, nicht nur bei den Länderspielen oder in den Trainingslagern.

kicker: Kann es passieren, dass das neu Trio den Posten des Bundestrainers völlig neu definieren wird?

Löw: In dieser Konstellation war eine unglaublich große und positive Energie zu spüren. Viel Elan, viel Begeisterung, Optimismus, Tatkraft. Das ist am allerwichtigsten.

kicker: Hatten Sie schon ein Gespräch mit dem DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der Sie 1998 in Stuttgart entlassen hat?

Löw: Ja, am Donnerstag. Von der damaligen Sache blieb ist nie etwas zurück. Denn der VfB gab mir die Chance, mich im Trainerjob zu etablieren. Es gibt wegen damals keinerlei Probleme.

kicker: Als Klinsmann bei seiner Präsentation von seinen Assistenten sprach, gebrauchte er den Plural. Kommen weitere hinzu?

Löw: Wenn er den Plural gebrauchte, steckt darin die Antwort. Jürgen sprach von einem von ihm zusammengestellten Team.

kicker: Bleibt Sepp Maier Torwarttrainer?

Löw: Über diese Themen wurde noch gar nicht gesprochen, sie werden in den kommenden Tagen abgearbeitet.

kicker: Mussten Sie lange überlegen, als Sie Klinsmanns Ruf ereilte?

Löw: Ich hatte mich mit diesem Thema überhaupt nicht beschäftigt. Als mich Jürgen kontaktierte, habe ich sofort Interesse signalisiert. Es ist eine Riesenaufgabe. Wir gehen sie mit einer sehr positiven personellen Kombination an.

Interview: Karlheinz Wild